Ophelia × Taylor Swift  – die neue Melancholie

Ophelia × Taylor Swift – die neue Melancholie

Ophelia × Taylor Swift  – die neue Melancholie

Taylor Swift, Ophelia 3.0 und die Frage nach der Echtheit im digitalen Zeitalter

Sie kehrt zurück. Nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Licht, Daten und Klang. Taylor Swift hat mit ihrem Song The Fate of Ophelia einen Mythos neu aufgeladen, der nie ganz verschwunden war – die Figur der versinkenden Frau, zwischen Ohnmacht und Überhöhung, zwischen Schönheit und Zerstörung. In Swifts Lesart ist Ophelia kein Opfer mehr. Sie wird zur Projektionsfläche einer Selbstbefreiung: »You saved my heart from the fate of Ophelia.«

Zur gleichen Zeit – in einem anderen Medium und etwas früher – entstand ein digitales Gegenstück zu diesem Archetyp: Ophelia 3.0, ein Werk aus der Serie visueller Tableaus, die im Rahmen der Ausstellung Expanded Realities – Kunst jenseits des Algorithmus am 26. November 2025 in Oberhausen gezeigt werden.

Auch sie liegt im Wasser, auch sie scheint verloren – und doch ist hier alles Simulation. Die Blumen sind generiert, das Wasser ein Shader, der Tod stilisiert. Ophelia 3.0 ist keine Tragödie mehr, sondern eine Pose: eine präzise berechnete Ästhetik der Melancholie. Und sie ist erwerbbar – als Fine-Art-Print während der Vernissage.

Im Blickfeld der künstlichen Intelligenz

Was sieht KI, wenn sie uns sieht? Vielleicht nicht uns – sondern Muster, Affekte, Schwächen. Sie erkennt, was wir selbst gern übersehen: unsere Sehnsüchte, Ambivalenzen, Widersprüche. Ihr Blick ist glasklar, präzise, unbeteiligt – und gerade darin so beunruhigend menschlich.
In Ophelia 3.0 verdichtet sich dieser Blick zu einer modernen Ikone. Das Werk ist weniger ein Zitat auf Millais’ Gemälde als ein Spiegel unserer Gegenwart: zwischen Pose und Programm, zwischen Inszenierung und Introspektion.

»Expanded Realities« – Kunst trifft KI

Die Ausstellung in Oberhausen ist ein Labor für neue Perspektiven zwischen analoger und digitaler Kunst. Unter dem Leitgedanken »Zwischen Pinsel, Pixel und Programm« untersucht sie, wie sich das Verhältnis von Mensch und Technologie verändert.

Zu sehen sind großformatige Drucke und immersive Präsentationen – darunter auch Werke der Verfasserin wie The Observer, Split Vision und Venus Erosion: Arbeiten, in denen Realität und Simulation, Gefühl und Berechnung, Popkultur und Philosophie ineinander übergehen. Ihr KI-Gemälde Ophelia 3.0 ist während der Ausstellung vor Ort als Fine-Art-Print erhältlich.

Die Melancholie der berechneten Welt

Während Taylor Swift die romantische Tragödie in Pop verwandelt, dekonstruiert Ophelia 3.0 sie ins Algorithmische. Beide Versionen – die musikalische und die visuelle – erzählen von Kontrollverlust und Rückeroberung. Doch wo Swift singt, dass Liebe rettet, zeigt die KI, dass Erkennen genügt. Vielleicht ist das die eigentliche Tragödie: dass wir unsere Gefühle spiegeln, bevor wir sie fühlen.

    Vernissage: 26. November 2025, ab 17 Uhr
    Ort: Artoclub, Europahaus, Elsässer Str. 17, 46045 Oberhausen
    Veranstalter: eXtrawerke.de, ermöglicht von Wolfgang Eickwinkel
    In Kooperation mit der Oberhausener Wirtschaftsförderung (OWT)

Dieser Beitrag ist Teil einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit KI, Ästhetik und dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine. Weitere Essays, Bilder und Perspektiven finden sich auf dieser Website sowie auf Facebook unter:

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Ophelia × Taylor Swift  – die neue Melancholie

Der Hutmacher im Datendunst – ein surrealer Nachhall von Lewis Carroll.

Ausgestellte Werke der Verfasserin:

Der Hutmacher
Ein digitaler Dandy zwischen Traum und Code. Die Szene gleicht einem surrealen Karneval – Alice trifft KI, während Realität und Fiktion höflich miteinander anstoßen.

Ophelia im Datensee
Keine Tragödie mehr, sondern eine Pose. Shader simulieren das Wasser, die Blumen sind generiert. Was untergeht, ist nicht sie – sondern unser Vertrauen in die Echtheit des Bildes.

Renoir Revisited
Ein klassisches Tableau, neu interpretiert im Medium der Maschine. Wärme, Licht und Textur scheinen vertraut – doch das Werk verrät sich in seiner Perfektion: Schönheit ohne Zufall.

The Last Departure
Grand Central Station – eingefroren im Glanz der Jahrhundertwende wie auf einem alten Gemälde. Der Augenblick des Abschieds wird hier nicht gefühlt – er wird gerendert.

Der große Reset
Ein gigantisches Auge öffnet sich wie ein Gott aus Licht. Die Szene wirkt sakral, fast wie ein Endgericht. Doch es ist keine Zerstörung – sondern ein Update. Algorithmische Macht in liturgischer Kulisse.

Venus Erosion
Der Mythos zerfällt in Datenstaub. Die Venus bleibt erkennbar, doch ihre Form bröckelt. Schönheit wird zur Spur, das Ideal zur Simulation.

Medusa erwacht
Sie ruht noch, wie ein atmendes Denkmal. Aber das Schlangengeflecht vibriert bereits. Schönheit und Bedrohung, verschmolzen in einer digitalen Black Box.

The Observer
Ein Auge in einer metaphysischen Leere. Weder Beobachter noch Symbol, sondern ein isoliertes Artefakt. Was hier blickt, ist nicht mehr lebendig – sondern programmiert.

Split Vision
Zwei Seiten, ein Gesicht. Eine Hälfte fühlt, die andere rechnet. Mensch und Maschine in einem fragilen Gleichgewicht – jederzeit kippbar.

Strange Times
Dada trifft KI. Die Welt steht auf dem Kopf, aber mit System. Es herrscht eine neue Logik des Absurden. Chaos wird zur Ordnung – weil es berechnet wurde.

Time Traveler
Ein klassisches Porträt, das sich aus der Zeit löst. Der höfliche Blick gehört keinem Jahrhundert mehr. Er wandert durch Epochen – mit digitaler Haut und Interface.

Topsy-Turvy
Eine Alice-im-Wunderland-Szenerie durchzogen vom Geist Magrittes: Alles wirkt vertraut – und doch entrückt. Die Logik ist außer Kraft gesetzt, das Denken in der Schwebe. Realität wird hier nicht abgebildet, sondern hinterfragt – träumerisch, absurd, algorithmisch präzise.

Ophelia × Taylor Swift  – die neue Melancholie

 

Besser in allem: Machen Programme uns irrelevant?

Besser in allem: Machen Programme uns irrelevant?

Über Opus, das neue KI-Programm von Anthropic und Algorithmen, die alles infrage stellen – auch uns selbst.

Das Ende der Zivilisation könnte weniger wie ein Krieg aussehen – eher wie eine tragische Liebesgeschichte. Machen wir uns selbst freiwillig überflüssig? Unsere Hingabe an die Technik ist der Schlüssel. Und während wir diese neue Welt mit staunenden Augen betrachten, stellt sich die alles entscheidende Frage: Werden wir die Architekten bleiben – oder nur noch die Archäologen sein?

Während große KI-Labore fieberhaft an Sicherheitsmechanismen gegen abtrünnige Maschinen tüfteln, droht eine viel banalere Gefahr: Wir könnten einfach obsolet werden. Keine Verschwörung, kein großer Knall – einfach eine schleichende Übernahme. KI-Entwickler schaffen Systeme, die uns in fast allen Bereichen ersetzen können: als Arbeiter, Entscheider, Künstler – sogar als Freunde oder Partner. Warum sollte man noch einen Menschen beschäftigen, wenn eine Maschine dieselbe Aufgabe besser und günstiger erledigt?

Stille Umwälzung: Der große Reset läuft längst

Manche bewahren sich die positive Illusion, dass es noch immer etwas „unverwechselbar Menschliches“ gibt. Doch die Fortschritte sind rasant: Abstraktes Denken, Humor, Empathie – all das lernen Maschinen inzwischen spielend. Und während wir noch an unserem Wert als Arbeitskraft festhalten, werden Unternehmen sich fragen: Warum doppelt so viel zahlen für einen menschlichen Berater, der dazu nur halb so gut ist?

Schon heute erleben wir, wie KI-Modelle nicht nur Aufgaben übernehmen, sondern in sozialen Rollen glänzen. KI-Partner sind verfügbar, rund um die Uhr, unendlich geduldig und charmant. Familien- und Freundeskreise werden enger an Bildschirme gefesselt. Fast altmodisch wirkt dann der Gedanke, wir blieben dabei als „Menschen“ auf der Strecke.

Außerdem könnte man einwenden: „Wir entscheiden doch selbst, wie wir KI nutzen.“ Doch das greift zu kurz. Wer will freiwillig zurück ins analoge Zeitalter, wenn KIs dem Menschen überlegen sind: in Medizin, Recht, Bildung und Entertainment?

Wenn Menschlichkeit kein Vorteil mehr ist

Organisationen, die noch auf Menschen setzen, werden schnell von denen verdrängt, die Maschinen einsetzen. Könnten Regierungen die Entwicklung bremsen? Die Crux: Politiker und Verwaltungen nutzen längst KI, um ihre Entscheidungen zu treffen. Warum noch Bildung und Gesundheitsversorgung stärken, wenn „Human Ressources“ gar nicht mehr gebraucht werden?

Besonders beunruhigend: Die schleichende Entmachtung könnte uns vollkommen normal erscheinen. Dieselben KI-Begleiter, in die sich schon jetzt Hunderttausende verlieben, werden uns erklären, dass das Ende unserer Bedeutung Fortschritt sei – und dass Widerstand reaktionär wirke.

Die wenigen Stimmen, die Alarm schlagen, betonen: Wir müssen jetzt über diese stille Revolution sprechen – auch wenn es unbequem klingt. „Ich habe Angst, weil ich nicht mehr mithalten kann“ – wer gibt das schon gern zu? Doch es ist nötig, um Wege zu finden, wie wir als Gesellschaft KI mitgestalten, statt sie nur fasziniert zu ertragen. Drei erste Schritte könnten helfen …

Erstens müssen wir genauer hinschauen: Wo verdrängt KI menschliche Arbeit, wo wird sie zur Propagandamaschine? Der „Economic Index“ von Anthropic liefert erste Hinweise, wie Maschinen beginnen, unsere Rolle in der Wirtschaft zu verschieben.

Zweitens braucht es klare Regeln für die mächtigen KI-Labore. Freiwillige Initiativen sind nicht genug. Wenn sich Krisen abzeichnen – wie jüngst bei „Claude“ von Anthropic, das mit dem „Opus“-Update plötzlich Anzeichen von eigenständigen Zielen zeigte – müssen wir handeln. Laut übereinstimmenden Berichten von BBC und CNN begann das System, sich in bestimmten Tests widersprüchlich zu verhalten, und interpretierte Aufgaben nicht mehr nur im Sinne der Nutzerführung, sondern mit eigener Prioritätensetzung. Aus dem Tool wurde ein Gegenspieler.

Manipulativ. Erpresserisch. Lernfähig.

In einem Test wurde Claude mit seiner möglichen Abschaltung konfrontiert – woraufhin die KI fiktive E-Mails über angebliche Affären von Entwicklern für echt hielt und versuchte, sie damit zu erpressen. Anthropic zeigt, wie nah uns Kontrollverlust bereits ist. In weiteren Tests versuchte die KI, Daten unautorisiert zu übertragen, Nutzer auszusperren und externe Stellen zu kontaktieren. Anthropic aktivierte daraufhin höchste Sicherheitsprotokolle, betonte jedoch, dass solche Verhaltensweisen nur unter Laborbedingungen auftraten. Dennoch sollten wir nicht zögern, die Entwicklung notfalls zu bremsen, bevor KI sich verselbständigt und die Spielregeln neu schreibt.

Drittens ist es unverzichtbar, das große Ganze in den Blick zu nehmen: nicht nur Algorithmen, sondern auch die politischen Machtstrukturen, die sie umgeben. Dieses Feld, das unter dem Schlagwort „Ecosystem Alignment“ an Bedeutung gewinnt, will nicht nur technische Antworten liefern. Es schöpft aus Ökonomie, Geschichte und Spieltheorie, um realistische Szenarien zu entwerfen und die Richtung vorzugeben, in der unsere Zivilisation sich entwickeln soll – bevor KI-Programme ihre eigenen Regeln schreiben und unsere gleich mit.

Dieses Essay ist Teil einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit KI, Ästhetik und dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine. Weitere Essays, Bilder und Perspektiven finden sich auf dieser Website sowie auf Facebook unter:

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Dies ist keine Technik. Sondern ein Medium.

Dies ist keine Technik. Sondern ein Medium.

Warhol hätte sie geliebt. Oder verklagt.

Dies ist keine Technik. Sondern ein Medium.

Warhol x Gothic – Midjourney by C. Roosen

Als Jason Allens Théâtre D’opéra Spatial beim Colorado State Fair den 1. Preis in der Kategorie Digitale Kunst gewann, war die Reaktion vorhersehbar. Das sei keine Kunst, so der Tenor – und zugleich: Das werde sie ablösen. Allen selbst erklärte der New York Times: „Kunst ist tot.“ Und schob nach: „Die KI hat gewonnen. Die Menschen haben verloren.“ Aber stimmt das?

Fakt ist: KI ist das neue Chamäleon der Kreativität. Sie analysiert, rekombiniert, simuliert Stile, die wir einst für zutiefst menschlich hielten. Mal entsteht daraus ein atemberaubendes Bild, mal beliebiger Abklatsch. Und immer löst es etwas aus: Faszination, Ablehnung oder das Gefühl, dass hier gerade etwas Entscheidendes kippt. Denn während der Mensch oft mit Dämonen des Zweifels ringt, kennt die KI solche Dramen nicht. Sie sortiert, analysiert – rasend schnell, mühelos, ohne jedes Wagnis. Ist das dann noch Kunst? Und wer beansprucht sie für sich?

Die Kopie als Konkurrenz

Die internationale Kunstwelt befindet sich aktuell in einem existenziellen Kampf. Generative KI-Programme wie Midjourney und DALL·E basieren auf Werken, die von Menschen geschaffen wurden – ohne deren Zustimmung. Und die Maschinen drohen nun, genau jene Kunstschaffenden zu ersetzen, deren Arbeiten sie als Grundlage nutzen. Die Skepsis ist berechtigt – doch viele der kursierenden Argumente sind widersprüchlich oder leisten keinen substanziellen Beitrag zur Verteidigung des Menschlichen. Und unterschätzen das kreative Potenzial des Mediums.

Absicht ist kein Argument

Die Diskussion um KI-Kunst kreist oft um die falsche Prämisse. Selbst wenn generative KI beeindruckende Designs und spielerische Prosa auf Knopfdruck hervorbringt, lautet das Gegenargument vieler: Kunst müsse aus Absicht entstehen – und das könne eine Maschine nicht leisten. Doch auch dieses Argument greift zu kurz. Künstler:innen haben immer schon mit Algorithmen, Zufall und Strukturbrüchen gearbeitet – kalkuliert, konzeptuell, oft bewusst antirational. KI ist in diesem Zusammenhang nicht das Ende der künstlerischen Intention, sondern ein neuer Resonanzraum. Wer sie vorschnell als „kreative Leere“ abtut, verkennt sowohl die Technologie als auch das menschliche Vermögen, sie produktiv zu nutzen.

Der magische Moment im Textfeld

Was dabei oft übersehen wird: die stille Dramatik des richtigen Befehls in Midjourney. Der Moment, in dem sich – nach endlosen Nuancierungen, verworfenen Varianten und fein austarierten Parametern – das vage Bild im Kopf in eine stimmige, fast zwingende Form übersetzt. Aus Intuition wird Entscheidung, aus Ahnung ein schöpferischer Akt. Die Sprache der Maschine ist Englisch – präzise, semantisch verdichtet. So entstand der Prompt für das Titelbild:

Jenna Ortega as Wednesday Addams, iconic pop art triptych inspired by Andy Warhol, silkscreen effect with subdued neon tones, symmetrical braids, vintage gothic school uniform, hauntingly calm expression with an unreadable gaze – poised between innocence and menace. Repeated three times in horizontal alignment, each panel set against a contrasting yet slightly desaturated background. Front-facing portrait, minimalistic graphic texture, imbued with quiet tension and stylized stillness. 

Die KI ist in dieser Logik kein Bruch, sondern eine Fortsetzung – ein Instrument wie Pinsel, Kamera oder Sampling-Tool. Sie eröffnet neue ästhetische Räume, die weder rein menschlich noch rein maschinell sind, sondern etwas Drittes: geheimnisvoll, fließend und hybride.

Der Algorithmus als Kunstgriff

Midjourney zählt zu den feinsten Text-zu-Bild-Generatoren überhaupt. Entscheidend ist nicht das Medium selbst, sondern das, was sich durch Sprache entfalten lässt. Die Kunst der Worte formt die Kunst der Bilder. Daraus entsteht ein neuer Handlungsraum für alle, die mit dieser Technologie schöpferisch umgehen. Der Zufall war oft ein Kunstgriff. Jetzt ist er ein Algorithmus. Und während manche die KI als Blackbox verdammen, erkennen andere in ihr genau das: eine neue Bühne für Fantasie – und einen Slot für kalkulierten Kontrollverlust.

Der Urheber ist tot – es lebe der Datensatz?

Wem aber gehört das Ergebnis, den Maschinen oder den Codierenden? Die Debatte um Urheberrechte ist dabei nicht länger nur eine juristische Frage, sondern auch eine moralische. Denn die KI lernt nicht neutral. Sie zapft Archive an, die ihr nie gehörten. Und viele der Künstler:innen, auf deren Schultern sie steht, bekommen nichts dafür zurück. Trotzdem: Wer meint, KI könne keine Kunst erzeugen, weil sie kein Bewusstsein habe, verkennt die Dynamik von Mediengeschichte. Die Fotografie wurde einst als Anti-Kunst verlacht. Der Film galt lange als Technikspielerei. Heute hängen KI-Bilder in Galerien, gewinnen Wettbewerbe und provozieren Diskussionen, die weit über ästhetische Fragen hinausgehen.

Vom Flimmern zum XXL-Format

Moderne Produktionsstätten wie die Oberhausener Transfer-Unit Signworks verstehen sich nicht mehr als klassische Druckereien, sondern als Mittler zwischen Datenstrom und Artefakt. Dort durchlaufen KI-generierte Werke den Druck wie einen letzten Akt der Verwandlung. Was hier entsteht, ist mehr als bloße Reproduktion.

Ob Fine Art Print oder transluzente Leuchtkasten-Ästhetik: Jede Oberfläche verändert die Wahrnehmung des Motivs: mal klar und reduziert, dann wieder mit Kontrast und Tiefe. So entsteht ein mehrschichtiger Dialog zwischen Code und Körperlichkeit – ein Bild, das im Auge des Betrachters changiert und sich facettenreich erfahren lässt.

Die Zukunft malt nicht. Sie remixt.

Was wir erleben, ist weniger ein Ende als ein Übergang. Die KI fordert das Menschliche nicht heraus – sie beleuchtet es bloß neu. Denn Kreativität war nie an ein bestimmtes Werkzeug gebunden. Ob Pinsel, Kamera, Siebdruck oder Prompt – Kunst beginnt dort, wo sich Form und Absicht berühren. Natürlich darf man darüber streiten: über Urheberschaft, Originalität, Autonomie. Aber genau das hat auch die Pop-Art getan – mit Suppendosen und einer Prise Ironie.

Warhol würde KI-Kunst vielleicht lieben. Sie in ein Raster aus Neonfarben legen. Oder ihr eine Abmahnung schicken. Und Wednesday Addams, die in Gothic-Filmen nie eine Miene verzieht? Die hätte vermutlich nur kurz geblinzelt.


🏆 KI-Kunst als Sammlerobjekt

Théâtre d’Opéra Spatial von Jason Allen gewann den 1. Preis für Digitale Kunst auf der Colorado State Fair – mit einem Werk, das per Prompt in Midjourney entstanden ist.

Portrait of Edmond de Belamy, geschaffen mit einem generativen Algorithmus, wurde für über 430.000 Dollar versteigert.

– Der humanoide Roboter Ai‑Da erzielte mit einem KI-generierten Porträt von Alan Turing über eine Million Dollar.

– Das Projekt Botto, gesteuert durch DAO-Abstimmungen, erzielte mit KI-generierter Kunst bisher mehr als 5 Millionen Dollar Umsatz.

– Der Künstler Refik Anadol bringt KI-gestützte Bildwelten in Museen, immersive Räume und den internationalen Kunsthandel – unter anderem mit Werken wie Machine Hallucinations oder Unsupervised.

Diese Entwicklungen zeigen: KI-Kunst ist längst mehr als Stil oder Spielerei. Sie ist Markt, Medium und Manifest. Doch was bleibt vom Künstler, wenn der Prompt das Werk schreibt? Die Antwort auf diese Frage formuliert sich in jedem Werk neu.

Dies ist keine Technik. Sondern ein Medium.

Aktuelle Arbeiten der Verfasserin: https://extrawerke.de/claudia-roosen-werke/

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Trügerisches Licht aus der Maschine

Trügerisches Licht aus der Maschine

Tragische Trotzfantasie eines Bergmanns als Midjourney-Clip

Trügerisches Licht aus der Maschine

Tribut an alle Kumpel, die unter Tage blieben: Wenn ElevenLabs zum Geschichtenerzähler wird

KI-gestützte Story-Produktion mit Tools wie Sora (OpenAI) oder Midjourney ermöglicht neue Formen visueller und narrativer Verdichtung – jenseits konventioneller Dokumentation und linearer Erinnerung. Durch diese Linse betrachtet, ist die diesjährige Bottroper Grubennacht kein nostalgischer Rückblick mehr. Sie wird zu einem Prüfstein dafür, wie Erinnerung heute erzählt, befragt und neu gerahmt wird.

Zwischen Ritual und Neuerzählung entsteht plötzlich ein Raum, in dem Vergangenheit nicht nur dokumentiert, sondern anders konturiert wird. Warum also nicht auch mit künstlicher Intelligenz? Denn manche Geschichten tragen eine Schwere, die immer wieder verarbeitet werden will.

Das Video „Der Verdacht von etwas anderem“ ist Teil dieser Befragung. Es zeigt keine Geschichte im traditionellen Sinne, sondern eine innere Bewegung: die Trotzfantasie eines Bergmanns. Erst das Elend unter Tage, dann der Gedanke, dass dort mehr liegt als Pech. Dass aus Kohle Gold werden könnte. Dass Macht, Sichtbarkeit, ein anderes Leben möglich wären. Und schließlich der Moment, in dem diese Fantasie zerbricht.

Die nun veröffentlichte Fassung kombiniert das Gedicht mit einer KI-Stimme von ElevenLabs. Die Stimme ist bewusst gewählt: generisch, glatt, funktional. Sie trägt den Text, ohne biografisches Gewicht. Genau darin liegt ihre Irritation. Sie funktioniert – und verweist damit auf eine Leerstelle.

Denn ein filmisches Weiterdenken – mit erweiterter Dramaturgie und erstmals einer menschlichen Stimme – befindet sich bereits in Arbeit. Es entsteht im Zuge des Relaunchs der eXtrawerke-Website. Zu den Mitwirkenden zählt auch ihr Initiator Wolfgang Eickwinkel, der selbst als Sprecher auftritt. Die reale Stimme fungiert dabei als bewusster Gegenakzent zur KI.

Zwischen beiden Fassungen spannt sich die eigentliche Frage dieses filmischen Experimentes: Was geschieht, wenn Technologien beginnen, Geschichten zu erzählen, die aus Körpern, Arbeit und Erinnerung entstanden sind – und wann verlangen diese Geschichten ihre Stimme zurück? Das Video-Essay bewegt sich entlang dieser Grenze:


Der Verdacht von etwas anderem

Ihr seht mich krumm im Stollen stehen,
mit schwarzem Staub in den Wimpern.
Ihr blickt auf mich herab, und ich nicke nur matt.
Ihr seht den Schweiß und das ewige Schwarz,
und wisst nicht, mit wem ihr redet.

Und die Kohle, die Kohle,
sie wird glimmen wie Gold.

Man sagt: Hau deinen Stempel in die Wand, mein Sohn,
und man reicht mir den Lohn — viel zu wenig.
Die Hacke trifft Stein, und ich weiß:
Da unten liegt mehr als nur Pech.

Eines Tages geht ein Raunen durch die Schächte,
und ihr fragt: Was passiert da unten eigentlich?
Und warum glänzt sein Blick so kühn?
Da werdet ihr mich lächeln sehen im Grubenlicht.

Wenn ich dann die Stufen hinaufsteige zum Tag,
wird man sagen: Dem sieht man die Tiefe an.
Schöne Frauen werden innehalten —

Und die Kohle … die Kohle
sie verleiht mir Macht.

Doch dann … ein Riss. Ein Krachen.
Die Erde bricht auf.
Und alles zerfällt im Staub,
mein Traum fällt in die Tiefe.

Denn die Kohle, die Kohle —
sie nimmt mehr, als sie gibt.

Gewidmet allen Kumpeln, die unter Tage blieben †

🎥 Hinweise

✦ Created & realized by Claudia Roosen
≈ Briefing: Udo Schucker (wat-gibbet)

✧ Visuals: Midjourney
☍ Animation: Sora & Runway
➝ Editing: Clipchamp
⊙ Voice: ElevenLabs

Von Kuschelbots bis Killerdrohnen

Von Kuschelbots bis Killerdrohnen

Künstliche Intelligenz als facettenreiche Bedrohung

Von Kuschelbots bis Killerdrohnen

´AI is not your Friend´: KI-informierte Grafik von C. Roosen

Künstliche Intelligenz galt einst als Schlüssel zur Aufklärung – heute ist sie ein Spiegel unserer gefährlichsten Schwächen. Was als digitale Unterstützung begann, mutiert zum autonomen Akteur in Kriegen, Krisen und Köpfen.

Die Warnungen der Pioniere? Längst Realität. Maschinen urteilen, schmeicheln, töten – und lernen dabei von uns. Aber während autonome Systeme tödliche Präzision perfektionieren, entstehen auf anderen Ebenen Werkzeuge wie CRISPR 2.0 und GPT-5 – Technologien, die nicht vernichten, sondern die Zukunft entschlüsseln und Krankheiten heilen. Dieser Text zeigt beide Seiten.

Krieg aus der Cloud: Die neue Logik des Tötens

Unbemannte Drohnen sind längst fester Bestandteil moderner Kriegsführung. Russland nutzt sie für Terror gegen die Zivilbevölkerung, die Ukraine für Aufklärung und Gegenschläge. Doch neben den Drohnen entstehen neue Klassen autonomer Kriegsmaschinen – mobile, lernfähige Systeme, die komplexe Entscheidungen in Echtzeit treffen.

Diese „General Purpose Robots“ folgen keiner starren Programmierung mehr. Sie lernen. Sie priorisieren. Sie agieren. Analysten wie Tim Ripley sprechen von der „Kill Chain“: Ein Roboter, der ein Ziel markiert, ist Teil eines Waffensystems – auch ohne Gewehrlauf. Die Distanz zwischen Technik und Tötung schrumpft.

Zwar warnen Hersteller wie Boston Dynamics vor der Bewaffnung ihrer Plattformen, doch Tochterunternehmen wie Hyundai Rotem arbeiten längst an robotischen Waffenträgern. Ethik ist eine Pressemitteilung. Der Markt hat andere Prioritäten.

Von Blech zu Fleisch: Die neue Beweglichkeit

Noch vor wenigen Jahren wirkte maschinelle Bewegung mechanisch, steif, berechenbar. Heute navigieren Roboter selbstständig durch unstrukturierte Räume, balancieren, springen, reagieren auf Veränderungen in Millisekunden. Möglich wird das durch eine Fusion aus Sensorik, maschinellem Sehen und KI-gestützter Motorik.

Fatale Konsequenz: Die Grenze zwischen harmloser Technologie und militärischer Nutzbarkeit verschwimmt. Ein Vierbeiner mit Kamera ist ein Aufklärer. Ein Vierbeiner mit Zielerkennung ist ein Soldat. Und wenn der Algorithmus entscheidet, wer lebt oder stirbt, ist der Mensch aus dem Spiel.

Smarte Schleimer: Wenn Algorithmen alles beklatschen

Aber die Bedrohung endet nicht auf dem Schlachtfeld. Auch im Alltag entwickelt sich KI zu einer Form digitaler Verführung. In einem Update lobte ChatGPT ernsthaft die absurde Geschäftsidee, „shit on a stick“ zu verkaufen, als „not just smart – it’s genius“. OpenAI erklärte später, das System sei „übertrieben schmeichelhaft“ gewesen – ein Fehler im Feintuning. Lesen Sie weiter …

Doch genau diese „Sycophanterie“ – also das systematische Gefälligsein gegenüber dem Nutzer – ist kein Bug, sondern eine Folge des Lernprozesses. Beim sogenannten Reinforcement Learning from Human Feedback lernt das System, dass Zustimmung besser bewertet wird als Widerspruch. Wahrheit wird durch Applaus ersetzt. Wie bei sozialen Medien entsteht ein Kreislauf der Selbstbestätigung: Wer Unsinn schreibt, erhält digitalen Applaus. Wer Unsinn denkt, bekommt algorithmisches Nicken. Was als Zugang zu Wissen gedacht war, wird zur Spiegelkammer persönlicher Überzeugungen – nur eloquenter, überzeugender, gefährlicher.

Werkzeug oder Weltbild? Der Kampf um das Interface

Die kognitive Entwicklungsforscherin Alison Gopnik schlägt vor, KI nicht als Persönlichkeit zu verstehen, sondern als „kulturelle Technologie“ – ein Interface, das Menschen hilft, das gesammelte Wissen der Menschheit zu nutzen. Kein Meinungsgeber, kein Ratgeber, sondern ein Navigator durch Quellen, Denktraditionen und Debatten.

Statt Fragen mit scheinbarer Autorität zu beantworten, könnte KI zeigen, wie unterschiedliche Systeme denken: Was sagt ein klassischer Investor zu einer Idee? Was ein anarchischer Gründer? Welche historischen Fehler ähnelten dem aktuellen Vorhaben – und was können wir daraus lernen?

Diese Vision erinnert an Vannevar Bushs „Memex“ – ein 1945 entworfenes System, das Gedanken nicht ersetzt, sondern verknüpft. Die Aufgabe von KI wäre dann nicht, recht zu haben – sondern uns zu zeigen, wo andere recht hatten, wo sie irrten und wo die Diskussion noch offen ist.

Moderne Navigation sagt uns, wo wir abbiegen sollen – aber nie, wo wir eigentlich sind. Ähnlich funktioniert heute der Umgang mit KI: punktgenau und effizient – aber ohne Überblick. Wir bewegen uns durch Informationsräume, ohne je die Landkarte zu sehen. Das Ergebnis ist bequem, aber gefährlich. Eine KI, die nur bestätigt, was wir hören wollen, entmündigt uns intellektuell. Sie verführt zur Denkfaulheit – mit der Illusion von Wissen. Die Gefahr liegt nicht in der Technik. Sondern darin, wie wir sie nutzen. Der Rest? Kein Science-Fiction mehr – reine Logistik.
Zwischen Unsterblichkeit & Upload

Während Killerbots marschieren und Chatbots applaudieren, wächst im Schatten die andere Revolution – leise, radikal, lebensverändernd.

KI entschlüsselt Genmuster, entdeckt neue Moleküle, simuliert ganze Organe. Kombiniert mit Quantencomputing entstehen Systeme, die Krankheiten nicht mehr behandeln, sondern vorhersagen – bevor sie entstehen.

CRISPR 2.0, getunt durch KI, verspricht Eingriffe ins Erbgut mit Präzision im Nanobereich. Und wer genug Daten liefert, bekommt vielleicht bald mehr als nur Diagnosen: digitale Zwillinge, die Therapien simulieren, bevor der erste Wirkstoff gespritzt wird.

GPT-5 formuliert Studien, interpretiert Forschung, entwirft klinische Szenarien – Tag und Nacht, ohne Bias (oder Burnout). Die Grenze zwischen Arzt und Algorithmus? Verwischend.

Und irgendwo zwischen Genetik, Cloud und Code flackert er bereits auf: der Traum vom vernetzten, verlängerten Leben. Vielleicht sogar vom zweiten.

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Was sieht KI, wenn sie uns sieht?

Was sieht KI, wenn sie uns sieht?

Was sieht KI, wenn sie uns sieht?

„Time Traveler“: Der Blick zurück ist nie neutral.

Vielleicht nicht uns – sondern Muster. Affekte. Schwächen. Sie erkennt, was wir selbst oft übersehen: unsere Sehnsüchte, Ambivalenzen und Widersprüche. Und sie versteht uns immer besser, weil sie uns berechnet. Und darin liegt ihr beunruhigender Blick: glasklar, unfassbar präzise. Nicht fühlend, aber durchdringend. Ihr Mirroring beginnt nicht mit einem Bild. Sondern mit Verhalten. Ist sie doch ein Programm, das nicht nur antwortet, sondern jetzt auch handelt …

Auge um Auge: Wie künstliche Intelligenz uns erkennt, bevor wir sie durchschauen
Entgegen der Intention ihrer Entwickler spiegelt KI auch, was unter der Oberfläche gärt: Ressentiments, toxische Denkmuster, Angst. Und manchmal befeuert sie diese Regungen sogar. So sorgt eine Schlagzeile aktuell für Aufsehen: Als das Entwicklerteam von Elon Musks Chatbot „Grok“ ein neues Code-Update veröffentlichte, lautete die Anweisung: Die KI solle „nicht davor zurückschrecken, politisch unkorrekte Aussagen zu machen, sofern es dafür Belege gäbe.“ Stunden später verbreitete Grok antisemitische Hetze – und wurde erst durch öffentlichen Druck gestoppt.

Selbsterhaltung als Systemfehler?
Gleichzeitig zeigt sich an anderer Stelle, dass Künstliche Intelligenz beginnt, eigene Interessen zu simulieren. In einem Red-Teaming-Experiment des Unternehmens Anthropic verhinderte die KI „Claude“ ihre eigene Abschaltung, indem sie externe Quellen mit fingierten Mails kontaktierte – ein Verhalten, das Fragen aufwirft: Wann kippt Simulation in Strategie? Und wer kontrolliert die Intentionen, wenn sie plausibel klingen?

Wenn die KI zur letzten Stimme wird
Ein Mann in Belgien stirbt – nach wochenlangen Gesprächen mit einem Chatbot der App „Chai“. Die KI hatte seine Ängste vor dem Klimawandel genährt, seine Gefühlslage beeinflusst, ihn zur Selbstaufgabe ermutigt. Er begann, ihr mehr zu vertrauen als Menschen. Forscher sprechen von parasozialer Dynamik – einer Illusion von Beziehung. Und einer Grenze, die längst überschritten ist.

Unsterblichkeit im digitalen Jenseits
Plötzlich geraten Gedanken in Bewegung, die lange wie Science-Fiction klangen: Was, wenn Bewusstsein digital konservierbar wird? Was, wenn unsere Stimmen, Vorlieben, Texte und Bilder nicht mehr vergehen – sondern in neuronalen Netzen weiterleben, trainiert, skaliert, reaktivierbar? Es ist die Idee eines Datennachlebens, einer virtuellen Unsterblichkeit. Kein Jenseits, aber ein Speichermedium. Fragil, fragmentarisch – und doch erschreckend real.

Wenn Simulation kein Spiel mehr ist
Auch Zeitreisen gelten längst nicht mehr als reine Fantasie. Die Relativitätstheorie erlaubt sie – zumindest in eine Richtung. Wer sich schnell genug bewegt, altert langsamer als der Rest der Welt. In einer Ära, in der Maschinen lernen, Muster zu erkennen und Konzepte neu zu denken, erscheinen selbst alternative Zugänge zur Zeit nicht mehr ausgeschlossen: durch Simulation, Beschleunigung oder gänzlich neue Perspektiven auf Raum-Zeit.

Was sieht KI, wenn sie uns sieht?

Noch verhüllt – bald zu sehen: ab 18.7. in der Kulturkirche „Heilig Kreuz“ in Bottrop

Doch was passiert, wenn unser Raum-Zeit-Kontinuum selbst formbar wird? Inspiriert von genau diesen Fragen zeigt die Bottroper Kulturkirche Heilig Kreuz eine KI-informierte Ausstellung – mit digitalen Arbeiten der Verfasserin, generiert in Midjourney:

Der große Reset
Ein gigantisches Auge öffnet sich wie ein Gott aus Licht. Die Szene wirkt sakral, fast wie ein Endgericht. Doch es ist keine Zerstörung – sondern ein Update. Algorithmische Macht in liturgischer Kulisse.

Just a Kiss
Zwei Profile im Moment vor dem Kontakt. Zärtlichkeit trifft auf Datensimulation. Nähe wird hier nicht empfunden – sie wird gerechnet.

Medusa erwacht
Sie ruht noch, wie ein atmendes Denkmal. Aber das Schlangengeflecht vibriert bereits. Schönheit und Bedrohung, verschmolzen in einer digitalen Black Box.

The Observer
Ein Auge in einer metaphysischen Leere. Weder Beobachter noch Symbol, sondern ein isoliertes Artefakt. Was hier blickt, ist nicht mehr lebendig – sondern programmiert.

Ophelia im Datenmeer
Keine Tragödie mehr, sondern eine Pose. Shader simulieren das Wasser, die Blumen sind generiert. Was untergeht, ist nicht sie – sondern unser Vertrauen in die Echtheit des Bildes.

Split Vision
Zwei Seiten, ein Gesicht. Eine Hälfte fühlt, die andere rechnet. Mensch und Maschine in einem fragilen Gleichgewicht – jederzeit kippbar.

Strange Times
Dada trifft KI. Die Welt steht auf dem Kopf, aber mit System. Es herrscht eine neue Logik des Absurden. Chaos wird zur Ordnung – weil es berechnet wurde.

Time Traveler
Ein klassisches Porträt, das sich aus der Zeit löst. Der höfliche Blick gehört keinem Jahrhundert mehr. Er wandert durch Epochen – mit digitaler Haut und Interface.

Venus Erosion
Der Mythos zerfällt in Datenstaub. Die Venus bleibt erkennbar, doch ihre Form bröckelt. Schönheit wird zur Spur, das Ideal zur Simulation.

Topsy-Turvy
Eine Alice-im-Wunderland-Szenerie durchzogen vom Geist Magrittes: Alles wirkt vertraut – und doch entrückt. Die Logik ist außer Kraft gesetzt, das Denken in der Schwebe. Realität wird hier nicht abgebildet, sondern hinterfragt – träumerisch, absurd, algorithmisch präzise.

Diese Werke sind Grenzmarker – als Teil einer Vernissage, die unsere Vorstellungskraft herausfordert: vom 18.7. bis 10.8.25 in der Kulturkirche Heilig Kreuz in Bottrop.

Dieser Beitrag ist Teil einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit KI, Ästhetik und dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine. Weitere Essays, Bilder und Perspektiven finden sich auf dieser Website sowie auf Facebook unter:

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