Scheinsieg – Drohung als Strategie?

Scheinsieg – Drohung als Strategie?

Scheinsieg – Drohung als Strategie?

Trump im Spannungsfeld von außenpolitischer Drohkulisse und innerem Zerfall

Die Tonlage hat sich drastisch verschärft. In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social drohte Donald Trump, „eine ganze Zivilisation werde heute Nacht sterben“ – eine Formulierung, die selbst im sicherheitspolitischen Establishment als extrem und potenziell völkerrechtswidrig gilt. Und doch liegt genau hier der Widerspruch: Die Drohung scheint kurzfristig Wirkung gezeigt zu haben – sie erhöhte den Druck, beschleunigte Verhandlungen, verschob Dynamiken. Aber ihr Erfolg bleibt oberflächlich. Denn was als taktischer Hebel funktioniert, offenbart zugleich ein strategisches Vakuum.

Zwar ist die Straße von Hormus vorerst wieder passierbar – doch das war nie das eigentliche Kriegsziel. Weder wurde der Einfluss Irans nachhaltig zurückgedrängt noch eine belastbare politische Lösung erreicht. Der freie Seeweg erscheint als sichtbarer Erfolg, verdeckt jedoch, dass die strategischen Ziele unerfüllt geblieben sind. Was bleibt, ist ein fragiler Zustand: Bewegung ohne Richtung, Entspannung ohne Klärung – und ein Frieden, der keiner ist.

Waffenstillstand mit eingebautem Missverständnis
Der nun verkündete „Erfolg“ bröckelt bereits im Detail. Unterschiedliche Versionen des Waffenstillstandsabkommens deuten darauf hin, dass zentrale Punkte – insbesondere zur Urananreicherung – möglicherweise gar nicht geklärt sind. Der erklärte Sieg könnte auf einer Fehlinterpretation beruhen. Ein diplomatischer Triumph, der sich als Übersetzungsfehler entpuppt, wäre mehr als nur eine Blamage – er wäre ein strukturelles Risiko.

Öl, Märkte, Realität: Die Rechnung folgt sofort
Während politisch von Deeskalation gesprochen wird, reagieren die Märkte gegenteilig. Ölpreise sind seit Beginn des Konflikts massiv gestiegen, Treibstoffpreise haben neue Höchststände erreicht. Die wirtschaftliche Realität widerspricht der politischen Inszenierung. Der freie Seeweg durch die Straße von Hormus ist kein Sieg – sondern lediglich das Minimum, um einen globalen Schock zu verhindern.

Epstein bleibt der stille Brandherd
Gleichzeitig gewinnt ein anderes Thema erneut an Schärfe: die Epstein-Akten. Im Kern geht es um ein kriminelles Netzwerk, das über Jahre hinweg die systematische Ausbeutung und den Missbrauch minderjähriger Mädchen organisierte und durch ein Geflecht aus Einfluss, Geld und Macht absicherte. Trumps Name tauchte in diesem Umfeld über Jahre hinweg in verschiedenen Kontexten auf – Begegnungen, Aussagen, soziale Überschneidungen. Juristisch bleibt vieles ungeklärt, politisch jedoch ist der Schaden längst real. Es ist ein Schatten, der sich nicht mehr ausblenden lässt.

Die Revolte kommt von innen
Besonders bemerkenswert: Der Widerstand formiert sich zunehmend im eigenen Lager. Selbst prominente Unterstützer wie Tucker Carlson oder Figuren aus dem harten MAGA-Kern stellen sich offen gegen ihn. Auch Marjorie Taylor Greene und Alex Jones zählen laut aktuellen Berichten zu jenen, die inzwischen Zweifel äußern oder sogar Maßnahmen gegen ihn fordern. Die Kritik ist nicht mehr randständig – sie kommt aus dem Inneren der Bewegung.

Ein Präsident unter Beobachtung
Die Konsequenz ist drastisch: Erste Stimmen fordern offen eine Prüfung nach dem 25. Verfassungszusatz – also die Möglichkeit, einen amtierenden Präsidenten für amtsunfähig zu erklären . Was einst undenkbar schien, wird nun zumindest diskutiert.

Ein Frieden, der keiner ist
Der aktuelle Zustand ist kein stabiler Frieden, sondern ein taktisches Innehalten. Der Konflikt ist ungelöst, die Fronten bestehen fort, die ökonomischen Folgen verschärfen sich – und die politische Basis beginnt zu bröckeln. Der eigentliche Befund dieses Moments ist ernüchternd: Nicht der Krieg wurde gewonnen. Sondern lediglich Zeit.

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Quellen:
The Daily Beast
— „Trump Threatens to Kill ‘Whole Civilization’ as Iran Deal Falters“
The Daily Beast — „Three Missing Words in Ceasefire Plan Could Make a Fool of Trump“
The Washington Post — „Trump’s Iran Strategy Raises Questions About Long-Term Goals“
The Atlantic — „What Trump’s Iran Escalation Reveals About His Foreign Policy“

Dieser Beitrag ist Teil einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit KI, Politik und dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine. Weitere Essays, Bilder und Perspektiven unter:

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Frontalkurs in den USA: Newsom »trollt« Trump

Frontalkurs in den USA: Newsom »trollt« Trump

Frontalkurs in den USA: Newsom »trollt« Trump

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom steckt mitten in einem Sturm, der selbst für die chaotischen Verhältnisse der amerikanischen Politik außergewöhnlich ist: ICE-Razzien auf Parkplätzen von Baumärkten, Proteste von Boyle Heights bis Downtown, Bundesbeamte in den Straßen – und ein Präsident, der Nationalgarde und Marines nach Los Angeles schickt, gegen den erklärten Willen des Staatsoberhaupts.

Als ob das nicht reichte, wird der demokratische Senator Alex Padilla bei einer DHS-Pressekonferenz zu Boden gedrückt und in Handschellen gelegt. Währenddessen sitzt Gavin Newsom in Sacramento – kein Gouverneur mehr im Routinebetrieb, sondern ein Mann, der über Notfallpläne für seine eigene Festnahme nachdenkt. „Meine erste Reaktion war, es abzutun“, erzählt er. „Doch dann wurde klar: Das ist nicht witzig. Ich kenne Trump – und traue ihm das zu.“

Ein Schauplatz, wie geschaffen für die nationale Bühne

Newsom, lange als aalglatt und taktisch übervorsichtig verschrien, findet sich plötzlich in einer Rolle wieder, die ihn zwangsläufig nationalisiert: als Gegenspieler eines Präsidenten, der jeden Tag die institutionellen Leitplanken verschiebt. Seine bisherigen Versuche, allen Seiten zu gefallen – Podcasts mit Steve Bannon hier, rhetorische Balanceakte dort – verblassen vor der Wucht eines Showdowns, der ihn zwingt, Farbe zu bekennen. Newsom kennt das Spiel mit Tabubrüchen.

2004, als Bürgermeister von San Francisco, ließ er homosexuelle Paare heiraten, lange bevor die Rechtsprechung ihm Recht gab. Doch diesmal, sagt er, sei es anders: „Das ist nicht Politik. Das ist der Moment, in dem ich meinen Kindern in die Augen schauen muss.“ Seine Sprache ist rauer geworden, fast befreit. „Am Sonntag bin ich aufgewacht als ein anderer Mensch“, sagt er. „Wenn man mit der ganzen Macht des Bundes konfrontiert wird, wird manches sehr klar.“

Demokratie am Kipppunkt: Schleichende Eskalation

Das Land, sagt Newsom, befinde sich in einem »langsamen Aufkochen« – ein slow boil, bei dem die Temperatur stetig steigt, ohne dass jemand den Moment erkennt, in dem es zu kochen beginnt. Diese schleichende Eskalation treibe die Vereinigten Staaten nun gefährlich an den Rand. Der angekündigte Militärumzug in Washington – offiziell zum 250. Geburtstag der Armee und zum 79. des Präsidenten – sei ein Menetekel. „Man kann das hier sehr schnell verlieren“, warnt er. „Wir sind schon auf der anderen Seite.“

Dass ausgerechnet er nun mit Memes und Troll-Posts auf Trump reagiert – in Versalien, mit Ausrufezeichen, mit satirischen Fotomontagen – zeigt, dass Newsom verstanden hat: Das politische Spiel hat längst seine alten Formen verloren. In typischer Trump-Manier polterte Newsom jüngst auf X – überzogen und doch zielsicher:

»ALMOST A WEEK IN AND THEY STILL DON’T GET IT!!! TOTAL DISASTER FOR TRUMP AND HIS CLOWN CREW!!! TO THE EXTENT IT’S GOTTEN SOME ATTENTION, I’M PLEASED…VERY PLEASED. GCN«

Eine Parodie, die sitzt – weil sie Trumps Sound so exakt kopiert. Der Gouverneur zeigt damit, dass er die Regeln längst verinnerlicht hat: Wer Trump entgegentreten will, muss ihn auf der Bühne schlagen, die er selbst geschaffen hat.

Gavin Newsom, oft verspottet als taktierender Schönling, ist in den letzten Tagen in eine Rolle hineingewachsen, die ihm niemand zugetraut hätte: die des Demokraten, der Trump frontal die Stirn bietet. Ob aus Kalkül oder aus Notwehr – es ist der Moment, in dem er aufgehört hat, zu viel nachzudenken. Und vielleicht der Beginn seiner eigentlichen politischen Karriere.

Quellenhinweise
• The New York Times: „Trump Deploys National Guard Against California Governor’s Wishes“
• The Guardian: „California’s Newsom Faces Unprecedented Federal Clampdown Amid Protests“
• The Daily Beast: „Tarred, Feathered, or Arrested? Trump Allies Threaten California’s Governor“
• Politico: „Padilla Handcuffed as DHS Chaos Unfolds in Los Angeles“
• The Atlantic: „The Moment Gavin Newsom Stopped Overthinking“
• Associated Press: „Protests Intensify After Federal Agents Clash With California Officials“

New York wählt anders – Zohran dreht die Achse

New York wählt anders – Zohran dreht die Achse

New York wählt anders – Zohran dreht die Achse

Manchmal ist ein Sieg mehr als nur ein Name auf dem Stimmzettel. In New York wurde am 4. November 2025 nicht nur ein neuer Bürgermeister gewählt – es war ein politisches Statement: ein deutliches Nein zu den alten Machtmechanismen, ein Ja zur Veränderung und – lassen wir es ruhig so stehen – ein Votum gegen Donald Trump.

Zohran Mamdani, 34, demokratischer Sozialist und Sohn ugandisch-indischer Einwanderer, ging als Außenseiter in dieses Rennen – und kommt nun als politische Chiffre eines neuen urbanen Selbstbewusstseins heraus. Trump hatte ihn zuvor abgetan, verspottet oder schlicht ignoriert. Genau dieser Hochmut wurde zum Katalysator der Gegenreaktion: Wer glaubte, Trump stünde ja ohnehin gar nicht auf dem Wahlzettel, übersah, dass er längst als unsichtbarer Schattenkandidat mitlief. Nicht physisch, aber als Folie: seine Feindbilder, sein Populismus – und zuletzt der beispiellose Moment, in dem der Anführer der freien Welt bewaffnete Truppen auf demonstrierende Bürger losließ. Für viele war dies die Grenzüberschreitung, die aus politischer Ermüdung moralische Wachsamkeit machte.

Mamdanis Erfolg ist deshalb weit mehr als ein Mandat für eine einzelne Person. Es ist das Echo dessen, was unter der Oberfläche schon lange schwelt: eine Stadt, die genug hat vom autoritären Gestus, von Netzwerken der Selbstbegünstigung und einer Politik, die soziale Realität nur selektiv wahrnimmt. Mamdani traf die Stimmung präzise. Mietpreisstopp, Gratis-ÖPNV, universelle Kinderbetreuung – keine elitäre Vision, sondern klare Antworten auf den Druck des Alltags.

Und was bedeutet das für Trump?

Erstens: Sein gewohnter Schlagabtausch-Modus – laut, aggressiv, persönlich – hat seinen Zauber verloren. Die Wähler quittierten diese Dauerprovokation nicht mit Mobilisierung, sondern mit Abwendung. Mamdanis Wahl zeigt, wie stark der Wunsch nach politischen Gegenentwürfen geworden ist, die nicht in Feindlichkeiten verpackt sind.

Zweitens: Der Sieg offenbart die Erosion von Trumps Markenwert. Früher genügte sein Name, um Loyalität zu entfachen oder Gegner zu spalten. Nun wirkt er wie ein überreiztes Narrativ: erschöpft, repetitiv, zunehmend wirkungslos. Der Wahlabend in New York war ein unüberhörbarer Hinweis darauf, dass die „Trump-Formel“ nicht mehr automatisch zieht.

Drittens: Für Wählergruppen, die sich von Trump jahrelang übergangen fühlten – Migrant*innen, junge Menschen, progressiv geprägte Großstadtmilieus –, wurde Mamdani zur Projektionsfläche eines neuen politischen Selbstverständnisses. Nicht als Anti-Trump im klassischen Sinne, sondern als jemand, der die Koordinaten verschiebt: progressiv, pluralistisch, entschlossen. Eine positive Vision statt bloßer Gegenwehr. So liest sich dieser Wahlsieg nicht nur als Machtwechsel, sondern als tektonische Verschiebung. Die Stadt sagte „nein“ – und wählte zugleich eine Zukunft, die sich klar vom alten Schatten absetzt.

Fahrt ins Inferno? Frieden als Pose

Fahrt ins Inferno? Frieden als Pose

Fahrt ins Inferno? Frieden als Pose

Trump und Putin: Dating-Show in der Dämmerung

Wladimir Putin wurde bei seinem letzten Staatsbesuch eine Ehre zuteil, die sonst nur engsten Verbündeten vorbehalten ist: Er nahm Platz  in der amerikanischen Präsidentenlimousine »The Beast«, während Trump ihm die Tür wie ein Chauffeur aufhielt. Für den Ex-KGB-Mann geriet die Fahrt zur Machtdemonstration – ein Moment, der zwischen Groteske und Kaltsatire oszillierte.

Das Treffen endete schneller, als es angekündigt worden war – ein Umstand, der kaum überraschte, wenn man Trumps notorisch kurze Aufmerksamkeitsspanne kennt. Als beide schließlich vor die Kameras traten, war es nicht der amerikanische Präsident, sondern Putin, der das Wort ergriff. Schon dieser Bruch mit diplomatischen Gepflogenheiten zeigte, wer hier den Takt bestimmte. Trumps Beitrag beschränkte sich auf die Binsenweisheit: »Es gibt keinen Deal, bis es einen Deal gibt.« Eine Formel ohne Gehalt, die mehr der Inszenierung als der Substanz diente.

Trump und Putin: Symbolik statt Staatspolitik

In Wahrheit hatte Trump Putin eine Bühne eröffnet, die ihm die G7 verweigert. Das Machtgefüge war unübersehbar: Putin bestimmte den Rahmen, Trump folgte – weniger als Verhandlungs-Partner, mehr als Bewunderer. Von einem »Deal« konnte keine Rede sein; selbst der Versuch, Gegenleistungen zu erzwingen, blieb aus. Statt die Verteidigung des Westens zu bekräftigen, klang Trumps Haltung nach einer schleichenden Aushöhlung der NATO und einer zunehmenden Distanz zu Europa. Wer genauer hinsah, erkannte, dass Trump nicht die Wertegemeinschaft des Westens repräsentierte, sondern sich auffallend eng an Putins Weltbild anlehnte.

Es war ein Schauspiel voller Widersprüche, das im Gestus einer Dating-Show daherkam: Trump applaudierte Putin, nannte ihn »tough but fair« und ließ den russischen Präsidenten durch Alaska chauffieren – als sei er ein Staatsgast von Ehre, nicht ein Kriegsverbrecher. Solche Gesten prägen den Rhythmus einer Diplomatie, die weniger von Prinzipien als von Inszenierung lebt. Vor diesem Hintergrund erscheint der Empfang von Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus wie ein Kontrapunkt: ein Kapitel, in dem Ernst die Pose verdrängt.

Vom Außenseiter zum Staatsmann: Selenskyj setzt Signale

Update 18./19. August 2025: Im Oval Office traf Wolodymyr Selenskyj erneut mit Donald Trump zusammen – diesmal gemeinsam mit mehreren europäischen Staats- und Regierungschefs. Trump stellte in Aussicht, Sicherheitsgarantien im Rahmen eines möglichen Friedensdeals zu unterstützen, auch wenn Details erst in den kommenden Tagen ausgearbeitet werden sollen.

Gleichzeitig schloss er den Einsatz von Bodentruppen aus, ließ jedoch mögliche Luftunterstützung offen. Diskutiert wurde zudem ein potenzielles Gipfeltreffen mit Putin, möglicherweise in Budapest. Für Selenskyj war dieser Auftritt ein weiterer Beleg seiner Verwandlung: einst als Quereinsteiger belächelt, agiert er heute als staatsmännische Figur, die Verlässlichkeit signalisiert, während der Krieg täglich neue Unsicherheit erzeugt.

Trump hingegen sucht die Dramaturgie. Frieden wird bei ihm zur schnellen Schlagzeile, einem Deal, der Geschichte schreiben soll. Doch während er die Bühne arrangiert, eskaliert Russland weiter: Bomben fallen, Städte brennen, Menschen sterben – das Drehbuch bleibt Fiktion. Entsprechend misstrauen die europäischen Partner seinen schnellen Versprechen und pochen unisono auf Prinzipien: Frieden darf nicht erkauft werden durch Landabtretungen. Diese Haltung ist auch ein Signal an Washington, wo die Sorge wächst, Trump könne Putin zu weit entgegenkommen – im Namen eines spektakulären, aber substanzlosen Friedens.

Putins „Friedenshebel“ heißt Eskalation

Moskau erhöht den Druck. Donetsk ist zum Symbol geworden: Russland kontrolliert große Teile der Region – und fordert alles. Ob eine vollständige Eroberung oder ein verlustreicher Stellungskrieg bevorsteht, bleibt offen. Sicher ist nur: Mit jeder Rakete, jedem Drohnenangriff steigt der Preis, den die Ukraine für ihre territoriale Integrität zahlen muss. Selenskyj versucht, Haltung und Flexibilität zu balancieren. Er signalisiert Gesprächsbereitschaft, ohne die roten Linien aufzugeben. Sein Auftritt in Washington war mehr als diplomatische Routine: ein klares Signal – Frieden ja, Kapitulation nein. Genau hier zeigt sich sein Ernst als Kontrast zu Trumps Theatralik. Frieden bleibt mehr ein schillerndes Versprechen als greifbare Option. Denn solange Gewalt belohnt und Prinzipien verhandelbar erscheinen, bleibt jede Pose leer.

Quellen:
AP News, “Zelenskyy deploys gratitude diplomacy in second White House meeting”, 18 August 2025
Reuters, “Takeaways: White House welcome for Ukraine leaves many questions”, 18 August 2025
Financial Times, “A letter and a suit: Zelenskyy charms Trump in the Oval Office”, 18 August 2025
The Daily Beast, “Zelensky Turns Up in a ‘Suit’ Amid MAGA Meltdown”, 18 August 2025
Reuters, “US would help assure Ukraine’s security, Trump tells Zelenskiy”, 19 August 2025
Reuters, “Focus on security guarantees as Ukraine summit leaves path to peace unclear”, 19.8.25
Reuters, “Trump says no ground troops, but maybe air support, to back Ukraine peace deal”
Reuters, “Trump says Putin may not want to make a deal on Ukraine”, 19 August 2025
The Guardian, “White House considering Budapest for Putin-Zelenskyy bilateral, report suggests“

Fahrt ins Inferno? Frieden als Pose

Dialog im Dämmerlicht: Trumps Schattendiplomatie

Momentum für die Demokraten

Momentum für die Demokraten

Momentum für die Demokraten

Präsident Joe Biden zieht seine Kandidatur zurück und teilt mit, dass er Kamala Harris als seine Nachfolgerin empfiehlt.

Chance oder Chaos: Kann Kamala Harris Trump schlagen?

Sie will es sich verdienen: genügend Delegiertenunterstützung, um die Kandidatin der Demokraten zu werden. Die Zustimmung der kalifornischen Delegation bringt sie spätestens dann über die erforderliche Schwelle, wenn die Partei sich beim Kongress in Chicago trifft. Joe Biden hat sie bereits offiziell als seine Nachfolgerin vorgeschlagen: „’I´m watching you, Kid!“– scherzt er, als er sich aus der Corona-Isolation zurückmeldet. Nun, da sein Rücktritt ausgemacht ist und er unerwartet den Widerstand gegen lauter werdende Bedenkenträger aufgibt, was ein Gamechanger für den US-Wahlkampf ist …

Harris war auf dem Weg in den umkämpften Bundesstaat Wisconsin am Dienstag, als ihre Kampagne für das Weiße Haus so richtig in Schwung kam. In einer schon jetzt historischen Rede vor Wahlkampfmitarbeitern in Wilmington, Delaware machte sie klar, was sie plant und erwies sich dabei als starker Kommunikator:

„Bevor ich zur Vizepräsidentin und Senatorin gewählt wurde, war ich Justizministerin, und davor Staatsanwältin in einem kalifornischen Gericht. In diesen Ämtern hatte ich es mit Tätern aller Art zu tun: Triebtäter, die Frauen missbrauchen, Betrüger, die Konsumenten abzocken und Schwindler, die gegen Regeln verstoßen, um sich selbst Vorteile zu verschaffen. Glaubt mir: Ich kenne solche Typen wie Donald Trump.“

Für Wähler eine effektvolle Gedankenstütze, dass ihr politischer Rivale ein verurteilter Straftäter ist, für schuldig befunden in einem Zivilprozess des sexuellen Übergriffes sowie einer Phalanx weiterer Delikte: von Vergewaltigungsvorwürfen über Wahlbeeinflussung, Geschäftsbetrug, Steuerhinterziehung bis hin zu Dokumenten-Diebstahl mit dem Potenzial zum Hochverrat sowie einer Zivilklage wegen Anstiftung zum Sturm aufs Kapitol am 6. Januar.

Donald Trump wolle das Land zurückwerfen, in eine Zeit der Unterdrückung und Ungleichheit. Sie aber glaube an eine gerechte  Zukunft, in der jeder Bürger die Chance hätte, nicht nur so eben über die Runden zu kommen, sondern sozial aufzusteigen:

„Es gibt Menschen, die meinen, wir sollten ein Land des Chaos, der Angst und des Hasses sein, aber wir wählen etwas anderes. Wir wählen die Freiheit“, so die 59-Jährige. Es gehe um die Freiheit von Menschen, über ihren eigenen Körper entscheiden zu können, und die Freiheit, in Sicherheit vor Waffengewalt zu leben: „Wir entscheiden uns für eine Zukunft, in der kein Kind in Armut lebt, sich alle eine Gesundheitsversorgung leisten können und in der niemand über dem Gesetz steht.“

Sie macht sich auch eindrucksvoll als Verteidigerin von Abtreibungsrechten stark – unter Bezugnahme auf das berüchtigte „Project 2025“ ein erzkonservatives Manifest der Heritage Foundation und Steilvorlage für die autokratische Agenda der Republikaner, ein dystopisch anmutendes Vorhaben, erinnernd an Margret Atwoods „Report der Magd“. Die Botschaft zündet, als sie wirkungsvoll skandiert: „We are not going back.“

Es gäbe kein Zurück: in eine Zeit wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und in eine dunkle, anachronistische Weltsicht, beherrscht von Angst, Hass und Isolationismus. Die Menge jubelt ihr zu und echot das neue Meme energetisch. Passender Weise ist der neue Wahlwerbespot der Demokraten mit dem Song „Freedom“ von US-Superstar Beyoncé unterlegt.

Einen Tag zuvor hatte der Gouverneur von Kentucky, Andy Beshear, der als einer der Top-Kandidaten für Harris‘ Vizepräsidentschaftsauswahl gilt, das filmreife Narrativ – Cop versus 78-jährigen Kriminellen – während eines Interviews bereits aufgegriffen. Beshear bezog sich auf J. D. Vance, den Trump als seinen Running Mate wählte:

Noch vor nicht allzu langer Zeit habe Vance Trump als „Amerikas Hitler“ bezeichnet. Beshear spielte dann mit dem Doppelsinn von Conviction (das Wort steht im Englischen für Überzeugung und Verurteilung zugleich):  J.D. Vance habe keine Conviction, sein Mitstreiter dafür 34.

Die Harris-Kampagne nahm diesen Clip und postete ihn auf ihrem Account, @KamalaHQ, der seit Sonntag die Anzahl seiner Follower verdoppelt hat. Die britische Popsängerin Charli XCX setzte parallel einen Tweet ab, der das Internet erst recht auf den Kopf stellte. „Kamala IS brat“, postet sie und meint: „frech“ im positiven Sinne.

Inzwischen wird Kamala Harris von einflussreichen Meinungsführern unterstützt, so dass ihre Nominierung auf dem demokratischen Parteitag im August so gut wie gesichert ist. Unter ihnen sind große Namen wie die demokratische „Grand Dame“ Nancy Pelosi, die Clintons sowie zahlreiche Gouverneure wie Wes Moore von Maryland, JB Pritzker, Illinois, die damit ausscheiden als potenzielle Rivalen. Heute folgte das offizielle Endorsement von Michelle und Barack Obama.

Mit Spannung erwartet wurde auch die erste Umfrage seit dem Rückzug Bidens. Nun gibt es vorläufige Zahlen nach dessen Ankündigung  vom Sonntag. Laut Reuters/Ipsos verzeichnet Kamala Harris einen knappen Vorsprung gegenüber Trump und kommt dabei auf 44 Prozent, Trump nur auf 42 Prozent. Die Erhebung ist nur eine Momentaufnahme, das Geschehen derzeit hochdynamisch: Alle Werte liegen innerhalb der Fehlermarge.

In den bevorstehenden Wochen und Monaten – nur noch 64 Tagen bis zu den ersten Briefwahlen – wird Kamala Harris alles in ihrer Macht liegende tun, um ihre entzweite Partei zu vereinen. Sie startet mit starkem Rückenwind aus den Reihen der Demokraten und rekordverdächtigen Spendeneinnahmen in das Rennen um die US-Präsidentschaft.

Und eine weitere Entscheidung steht an: die Wahl des Vizepräsidenten. Mögliche Kandidaten: die Gouverneure Andy Beshear aus Kentucky, Mark Kelly aus Arizona, Roy Cooper aus North Carolina, Tim Walz aus Minnesota, Josh Shapiro aus Pennsylvania  und der US-Verkehrsminister Pete Buttigieg, der enge Verbindungen in alle umkämpften Wahldistrikte pflegt. Wiederholt im Gespräch: Gretchen Whitmer aus Michigan. Auch wenn es manchen gewagt erscheint: Die Zeit ist reif – für eine weibliche Doppelspitze.

 

Das Attentat: Amerika unter Schock

Das Attentat: Amerika unter Schock

Das Attentat: Amerika unter Schock

Eskalation der Gewalt in Amerika: Neustart für den US-Wahlkampf?

Es war ein glühend heißer Nachmittag in Pennsylvania, heiß genug, um die Sanitäter auf Trab zu halten, während die Menschen in der sengenden Sonne dahinschmolzen. Doch die Hitze hatte die Begeisterung von Zehntausenden auf dem Gelände der Butler Farm Show kaum gedämpft, die auf Donald J. Trump warteten. Als er schließlich auftauchte, reagierte die Menge wie gewohnt: Sie buhten, als er Präsident Biden erwähnte, höhnten, als er von einer manipulierten Wahl sprach, und jubelten, als er sagte, er würde Amerika wieder großartig machen. Dann ertönte ein neues Geräusch. Ein Feuerwerkskörper vielleicht?

So schien es, bis sich Donald  Trump sich ans Ohr griff. Nun war klar: Es handelte sich um Schüsse. Ein Tag voller zorniger Emotionen wurde plötzlich von Angst zerrissen. Rund um die Tribüne, auf der der Ex-Präsident gesprochen hatte, unter einer riesigen amerikanischen Flagge, die zwischen zwei Kränen hing, duckten sich die Zuschauer. Geheimdienstmitarbeiter stürmten auf ihn zu. Tausende von Menschen, von denen auf den Tribünen bis zu denen, die auf einer großen Rasenfläche zusahen, ließen sich fast gleichzeitig zu Boden fallen.

Kurz bevor die Schüsse fielen, sagten einige in der Menge, es schien, als hätten Polizeischützen, die auf einer Scheune saßen, eine Bewegung in der Nähe bemerkt. Die Schützen schienen sich auf etwas neben der Tribüne in Richtung eines Gebäudes und eines Wasserturms direkt außerhalb des Geländes der Farm Show zu konzentrieren.

Sobald die Schießerei ausbrach, erwiderten die Schützen das Feuer. Manche Rally-Besucher beteten das Vaterunser. Einige begannen zu weinen, andere schrien, während die Polizisten riefen, alle sollten sich hinlegen. Einer der Lautsprecher, offenbar von einer Kugel getroffen, kippte um. Als das Knallen ein paar Sekunden später aufhörte und die Köpfe sich wieder erhoben, offenbarte sich das düstere Nachspiel.

Laut dem Secret Service wurden eine Person, die an der Kundgebung teilgenommen hatte, sowie der Verdächtige getötet und zwei Zuschauer schwer verletzt. Das FBI identifizierte den Verdächtigen als Thomas Matthew Crooks, 20, aus Bethel Park, Pa. Der ideologische Hintergrund ist unbekannt, aber es handelte es sich um einen registrierten Republikaner. Die Behörden fanden am Tatort ein halbautomatisches Gewehr vom Typ AR-15, berichteten zwei Strafverfolgungsbeamte.

Trump kam wieder auf die Beine. Er hatte ein wenig Blut auf der Stirn, schien aber nicht schwer verletzt zu sein. Als er von der Bühne begleitet wurde, reckte er noch seine Faust in die Luft, während eine große Menge um ihn herum ihm erneut zujubelte. Sie rief „USA! USA!“, obwohl die Rufe nicht ganz so kräftig waren wie noch vor ein paar Minuten. Dann verschwand Donald Trump in Geleit von  Strafverfolgungsbeamten in einem SUV.

Andere Beamte forderten dann alle auf zu gehen, und so machte sich die Menge, die stundenlang in der Hitze geschwitzt hatte, in einem Nebel von Schock und Desorientierung auf den Weg zu den Ausgängen. Später würde Trump auf Truth Social sagen, er sei von einer Kugel getroffen worden, die den oberen Teil seines rechten Ohrs durchbohrte. Die Zuschauer kehrten zu ihren Trucks und Autos zurück, tauschten sich darüber aus, was sie gesehen und gehört hatten, verbreiteten bedrohliche Gerüchte oder räumten ein, dass sie in dem Chaos nicht viel gesehen hatten.

Fast eine Stunde nach der Schießerei, nachdem das Gelände geräumt war und der Verkehr auf dem Weg aus der Stadt nachgelassen hatte, war die Welt immer noch erschüttert. Politiker und politische Gegner aller Parteien verliehen ihrer Empörung und Besorgnis Ausdruck. Biden kündigte ein versöhnliches Telefonat mit Trump an: Jeder, einfach jeder, müsse den brutalen Anschlag verurteilen. Geheimdienstmitarbeiter bestätigten, der Ex-Präsident sei in Sicherheit. Wird die Welt zusammenrücken oder dreht sich die Spirale der Gewalt weiter und falls ja, wird die amerikanische Demokratie letztlich daran scheitern? Das wird sich zeigen.