Trump unplugged: Wenn der Teleprompter ausfällt

Trump unplugged: Wenn der Teleprompter ausfällt

Shark-Edition: Trump und das „Drunken Uncle“-Syndrom

Nur wenige Tage, bevor er als 34-fach verurteilter Straftäter auf seinen Bewährungshelfer traf, ging der führende Präsidentschafts-Kandidat auf eine bizarre Hai-Tirade: Griffen doch diese häufiger an als üblich (nicht wahr!) und stellten aufgrund der Vorschrift, dass Boote Batterien verwenden müssen – auch falsch! – ein neues Risiko dar.

Aufgrund ihres Gewichts würden die Boote schneller sinken. [sic!] – Selbst die schwersten Kreuzfahrtschiffe der Welt bleiben aufgrund der physikalischen Gesetze trotz ihres Gewichts schwimmfähig. Das muss man wissen. Und doch lassen sich solche verbalen Entgleisungen nicht einfach weglachen: Denn Trump ist vielleicht der nächste Präsident der USA. Da lohnt sich eine Durchsicht des Transkripts in all seinem Wahnwitz:

„Ich sage, ‚Was würde passieren, wenn das Boot aufgrund seines Gewichts sinkt und du im Boot bist und du diese enorm leistungsstarke Batterie hast und die Batterie unter Wasser ist, und da ist ein Hai, der ungefähr 10 Meter entfernt ist?‘ Übrigens gab es in letzter Zeit viele Haiangriffe. Haben Sie das bemerkt? Viele Haie … Ich habe heute einige Leute gehört, die es gerechtfertigt haben: ‚Nun, sie waren nicht wirklich wütend. Sie haben der jungen Dame das Bein abgebissen, weil sie nicht hungrig waren, aber sie haben missverstanden, wer sie war.‘ Diese Leute sind verrückt.“ Äh …  ja!

„Also sagte ich: ‚Da ist ein Hai zehn Meter vom Boot entfernt,  oder schon ganz nah. Werde ich einen tödlichen Stromschlag bekommen, wenn das Boot untergeht, Wasser über die Batterie läuft, das Boot untergeht? Bleibe ich oben auf dem Boot, oder springe ich runter zu dem Hai und werde dafür von dem Stromschlag verschont?‘ Er wusste die Antwort nicht. Ich sagte: ‚Ich denke, es ist eine gute Frage. Ich denke, es kommt viel elektrischer Strom durch das Wasser.‘ Aber wisst ihr, was ich tun würde, wenn es einen Hai gäbe? Ich würde jedes Mal den Stromschlag wählen.“

Auch mit „Waschmaschinen zum Geschirrspülen“, so Trump bei einer Wahlkampfrede in Philadelphia, gebe es ein Problem: „Sie wollen nicht, dass ihr Wasser habt.“ Ursprünglich wollte er damit gegen die „linksradikalen“ Demokraten hetzen, schweifte jedoch unvermutet ab. Es geht plötzlich auch um Wasserhähne: „Du drehst sie auf und es tropft und tropft die Seife“, jammert er, dabei sei sein Haar so „wunderschön“. Angefeuert vom Applaus fügt er noch hinzu, er schäume es so gern auf: „Ich mag viel Schaum, weil es dann etwas dicker wirkt“. Da unterbricht selbst Trumps Propaganda-Kanal FOX News.

Nur eine von vielen bekannten Banalitäten der neuen Normalität

Bei Biden wären sogleich Forderungen nach einem Rücktritt lautgeworden. Bei Trump reduziert sich sein ganz alltäglicher Wahnsinn auf Zwischenfälle, kaum mehr erwähnenswert: lächerliche Aussagen, die ignoriert werden, weil sie schon Routine sind. Genau hier wird es gemeingefährlich. Basierend auf Google News erhielt die Nachricht über Bidens Hund, der einen Secret Service-Agenten biss, weit mehr Presseberichterstattung als Trumps Aussage, er ließe Diebe am liebsten ohne Gerichtsverfahren erschießen. Dass er schon mal die Idee ins Spiel bringt, den Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff Milley hinzurichten. Politische Gegner einzusperren. Die fiktive Figur Hannibal Lector als „wunderbaren, aber leider verstorbenen Mann“ bezeichnet. Mit einem zweiten (nicht dritten) Weltkrieg droht. Nikki Haley (53) mit Nancy Pelosi (85)  verwechselt und Obama immer noch an der Macht vermutet. Seit neustem auch die Gründung einer Gladiatorenliga vorschlägt, die nur aus Migranten bestehen soll:

„Und da küren wir dann einen Champion, und der kämpft dann gegen die größten Kämpfer der normalen Liga“, führte Trump aus. „Ich denke, der Migranten-Champion wird gewinnen, denn sie sind so verdammt zäh.“

Doch die Republikaner scheinen von der schieren Überflutung des Verrückten zu profitieren. Denn im Gegensatz zu Trump entstehen bei Biden Fragen zu seiner geistigen Fitness als Präsident, wenn er sich in einem Namen oder einem Datum vertut, anstatt von Haien zu fabulieren. Fazit: Ein Präsident, der gelegentlich einen Fehler macht, ist weitaus weniger besorgniserregend als einer, der sich an illusionäre Fantasien und Verschwörungstheorien beteiligt. Biden lebt in der Realität; die Trump immer öfter entgleitet. Zeit auszusteigen! Genau das forderten kritische Kolumnisten neulich. Erstaunlicherweise beziehen sie sich dabei nicht auf den autoritären Straftäter, der eine gewalttätige Menge dazu angestiftet hatte, das Kapitol anzugreifen. Nein, sie meinen Biden.

Für Trump ist immer Haifischzeit

Die Krux bei Trump, von ihm mit 78 Jahren zu sagen, er sei „einfach Trump“,
ist jedoch, dass solche Ausfälle keine Ausnahme bilden. So versuchte er während einer Rede in Las Vegas zu leugnen, was ihm sein früherer Stabschef, der pensionierte Marine General John F. Kelly, vorgeworfen hatte: dass er 2018 den Besuch eines amerikanischen Militärfriedhofs in Frankreich mit der Begründung abgelehnt habe, dieser sei voller „Loser“. Gegenüber der Menge behauptete Trump dann, dass „nur eine sehr dumme Person“ so etwas sagen würde, während er „dort mit Generälen und Militärangehörigen auf einem Friedhof“ stehe. Aber er hat dort gar nicht gestanden. Er ist nie zum Friedhof gegangen. Außer vielleicht in seinem Kopf … 🦈

US-Präsident Biden und sein wahrscheinlicher Herausforderer Trump haben sich am Freitag, 21 Uhr Ortszeit (3 Uhr MESZ) auf ihr erstes TV-Duell geeinigt. Dabei ist festgelegt worden, dass jeweils nur das Mikrofon des jeweiligen Redners offenbleibt. Das reduziert die bewusstseinserweiternde Chance der Wähler wider die allgemein um sich greifende Trump-„Amnesia“ und auf ein neues „Hai“-light.