›Karin am Kissen‹ – das Ende der Kulisse

›Karin am Kissen‹ – ein KI-Clip mit „Die-kenn-ich-doch“-Effekt, kreiert mit VEO für das Online-Magazin Wat-gibbet.
Wer heute ein Filmprojekt realisieren möchte, braucht nicht zwingend mehr ein Studio, ein Castingbüro oder eine Produktionsfirma. Es genügt ein präzise formulierter Gedanke.
Mit VEO 3 betritt ein System die Bühne, das die Beziehung zwischen Sprache und Bild grundlegend verschiebt. Die neue Generation textbasierter Videogenerierung erzeugt nicht länger nur gefällige Simulationen, sondern Szenen, die eine eigene psychologische Gravitation entwickeln. Nicht mehr bloß Licht, Farben oder Kamerabewegungen lassen sich im Textfeld beschreiben, sondern auch Haltungen, Temperamente und soziale Kontexte – bis hin zu den subtilsten mimischen Regungen. Das System antwortet in bewegten Bildern.
Konkretes Szenario: Eine kurvige Frau um die vierzig lehnt sich in der Abenddämmerung aus dem Fenster eines Bottroper Zechenviertels. Ein dickes Kissen liegt auf dem Sims, das Straßenlicht ist warm, der Restwinter hängt noch in der Luft. Sie beugt sich leicht nach vorne und fragt lebhaft: „Wat gibbet denn im März Schönes? Ah ja, die Bottroper Kneipennacht am einundzwanzigsten dritten. Und das Beste: Die Tickets sind schon jetzt im Vorverkauf erhältlich.“
Diese Figur – ›Karin am Kissen‹ – existiert nicht. Und doch wirkt sie, als hätte man sie irgendwo schon einmal gesehen. Genau darin liegt die neue Qualität. VEO 3 erzeugt nicht mehr nur schablonenhafte Perfektion, sondern eine Art Vertrautheit, die aus Details entsteht: aus einem minimal verspäteten Lächeln, aus der Art, wie sich jemand aufstützt, aus einem Blick, der nicht exakt symmetrisch ist.
Frühere KI-Modelle produzierten häufig Oberflächen ohne Gewicht. Sie glänzten, aber sie atmeten nicht.
VEO 3 dagegen erlaubt es, Figuren mit psychologischen Parametern auszustatten, als säße man selbst im Castingraum und suchte nach einer bestimmten Nuance – nach Ironie ohne Zynismus, nach Wärme ohne Sentimentalität, nach Bodenständigkeit ohne Karikatur. Das System folgt nicht nur Anweisungen zur Beleuchtung, sondern reagiert auf Beschreibungen von Temperament und innerer Haltung. Man formuliert keine Maske mehr, sondern eine Persönlichkeit.
Die Geschwindigkeit, mit der aus einem Satz eine Szene wird, verändert dabei nicht nur Produktionsabläufe, sondern auch die Hierarchie des Erzählens. Was früher Wochen an Planung, Technik und Dreharbeiten bedeutete, verwandelt sich in Sekunden in eine filmische Sequenz, stilsicher und atmosphärisch kohärent.
Die Szene flirrt im bonbonfarbenen Gegenlicht, weich gezeichnet durch eine nostalgische Linse, als stamme sie aus einem popkulturellen Tagtraum. Noch bevor der nächste Gedanke formuliert ist, steht das Ergebnis bereit: ausgeleuchtet, rhythmisiert, mit einem Hauch von Ironie versehen. Die lose Idee wird zur visuellen Miniatur mit erzählerischer Dichte.
Natürlich ist VEO 3 nicht unfehlbar. Gelegentlich kippt eine Geste oder Mimik ins Künstliche.
Doch wenn das Zusammenspiel aus Licht, Mimik und Timing gelingt – und das geschieht erstaunlich häufig –, entsteht eine Irritation, die weit über technische Faszination hinausgeht. Das Künstliche fühlt sich nicht länger wie eine Simulation an, sondern wie eine Variante von Realität. Die Grenze zwischen gedrehtem Material und generierter Sequenz wird porös, zumindest für den ersten Blick.
Diese Entwicklung demokratisiert das Bewegtbild in einem Maße, das die klassische Filmindustrie zwangsläufig unter Druck setzt. Wer formulieren kann, inszeniert. Wer präzise denkt, kann Regie führen. Die Kamera gehorcht der Sprache, und der Satz wird zur eigentlichen Produktionsinstanz. Filme entstehen nicht mehr primär durch logistische Organisation, sondern durch semantische Genauigkeit. Das verlagert Macht – weg von Budgets und Technik, hin zur Fähigkeit, Gedanken so zu artikulieren, dass sie in Bilder übersetzbar sind.
Mit dieser Verschiebung wächst zugleich die Verantwortung. Wenn sich Szenen von solcher Qualität künstlich erzeugen lassen, wird es schwieriger, zwischen dokumentierter Wirklichkeit und konstruiertem Bild zu unterscheiden. Die ästhetische Reife der Modelle verlangt nach klaren Kennzeichnungen, nach Transparenz über Herkunft und Herstellungsweise. Das Werkzeug, das kreative Freiheit verspricht, kann ebenso zur Manipulation eingesetzt werden.
Die Macht der Formulierung: Warum plötzlich wieder alles vom richtigen Satz abhängt
Gleichzeitig eröffnet es einen Raum, der bislang verschlossen war. Projekte, die früher an Ressourcen scheiterten, können nun als visuelle Skizzen Gestalt annehmen. Ein Mini-Thriller, vollständig generiert, ohne physisches Set, ohne reale Darsteller, ist kein utopisches Gedankenspiel mehr. Die Bilder wirken wie aus einer vertrauten Filmwelt, und doch sind sie ausschließlich das Resultat von Sprache und Algorithmus.
VEO 3 macht aus Sätzen Szenen und aus Andeutungen Atmosphären. Nicht die Maschine denkt – sie übersetzt. Die eigentliche Regie liegt weiterhin beim Menschen. Doch wer heute schreibt, schreibt nicht mehr nur für seine Leser, sondern für ein System, das gelernt hat, zwischen den Zeilen Bilder zu sehen.
Das verändert die Bedingungen des Erzählens, demokratisiert Gestaltung, entgrenzt das Visuelle. Für manche mag das bedrohlich wirken. Für andere ist es eine Einladung zur Kreativität. Sicher ist: Die Regeln des Filmemachens gelten nicht mehr uneingeschränkt. Ein neuer Raum hat sich geöffnet – schneller, offener zugänglicher. Hollywood hat sein glamouröses Monopol verloren. Und der nächste Oscar? Geht vielleicht an ein neuronales Netz.
Dieser Beitrag ist Teil einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit KI, Ästhetik und dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine. Weitere Clips und Perspektiven finden sich auf Instagram unter:
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